domingo, 24 de mayo de 2009

Kødby (Fleischstadt)

Brune Kødby / Øksnehallen, (c) 2009 Chaulafanita
Kødby haben wir nur gefunden, weil ich in einer Gratis-U-Bahn-Zeitung gelesen hatte, dass jemand beim Lagersalg (Ausverkauf) von Day Birger et Michelsen in den Øksnehallen ein Shirt gekauft hatte. Tatsächlich haben wir ihn auch gefunden (in Nebengebäude 55), aber das war reines Glück, weil er nämlich nur sehr unregelmäßig (einmal pro Saison?, zuletzt am 17. April) stattfinden. Tatsächlich haben wir, neben der Entdeckung des spannenden Viertels Vesterbro mit der braunen (älteren) und der weißen (neueren) Fleischstadt (brune og hvide Kødby(en)) wirklich was interessantes gefunden, zumal in der Øksnehal selbst eine Fotoausstellung vorzufinden war und im weißen Bereich allerlei Open-Air-Stände aufgebaut waren (siehe Foto unten).

Warum heisst die Fleischstadt Fleischstadt? Nun, 1874 bis 1879 wurde hier (südlich des Halmtorvet in Vesterbro) ein neuer Zentralviehmarkt mit Schlachthof errichtet, um unter anderem Choleraepidemien wie die von 1853 zu verhindern, die sich durch die offenen Vieh- und Kleintiermärkte in der Stadt ausgebreitet hatte. Hauptarchitekt dieser ersten Phase war Hans Jørgen Holm, ein Anhänger des Historismus im Stile des italienischen Mittelalters. Zu den von ihm in Backstein (daher das Adjektiv braun) geschaffenen Gebäuden gehören unter anderem die Eingangsgebäude der heutigen Øksnehallen, in denen sich u.a. Husets Teater und PH Caféen befinden, und die früher Gaststätte und Verwaltung beherbergten. Das heutige Zentrum der "braunen Fleischstadt", die Øksnehal, wurde allerdings erst zum 22. Geburtstag des Markt- und Schlachtplatzes 1901 eingeweiht. Ihr Architekt war Ludvig Fenger, wie Holm Historist. Die Øksnehal ist aus Backstein, Gusseisen und Holz errichtet, 5.250m² gross und bot Platz für 1.600 Stück Vieh. Sie war bis 1974 in Betrieb, gab jedoch bereits in den 1930er Jahren wichtige Teile ihrer Funktion an die neue, "weisse" Fleischstadt ab. Seit 1984 wurde sie instandgesetz und 1996 zu Kopenhagens Amtszeit als Kulturhauptstadt Europas als Veranstaltungs-, Kultur-, Messe- und Freizeitzentrum der Öffentlichkeit übergeben. Im Bereich der "brauenen Fleischstadt/brune Kødby", die heute insgesamt als Øksnehallen bekannt sind, befinden sich heute die Haupthalle, Restaurants, ein Schwimmbad mit Wellnessbereich, Musik- und Theaterschulen, Ateliers, etc.

Der ursprünglich zur braunen Fleischstadt gehörende, 1907 unter Hans Wright errichtete 6557 km² grossen Flæskehallen-Komplex am Kalvebod Strand existiert heute ebenso wie das westliche Gaswerk nicht mehr. An ihrer Stelle (und angrenzend) befinden sich nun moderne Firmengebäude, schicke Hotels und das Einkaufszentrum Fisketorvet.

Hvide Kødby / Flæskehallen, (c) 2009 Chaulafanita

Nach gut 60 Jahren brach dann für die Fleischzentrale Kopenhagens ein neues Zeitalter an. Da das Gaswerk abgebrochen worden war, wurde ein großes Areal frei für ein neues, noch moderneres Fleischhandels- und Verarbeitungszentrum. Unter der Regie des Architekten Poul F. Holsøe und des Ingenieurs Carl Bruun entstand zwischen 1931 und 1934 ein neues Areal, größer als das alte, in weißen, klaren Formen und mit funktionalistischer Botschaft von Sauberkeit und Hygiene. Olaf Lind nennt die neue "weiße Fleischstadt" in seinem Architekturführer als wichtigstes Beispiel funktionalistischer Unternehmensarchitektur in Kopenhagen. Die weisse Fleischstadt ist noch heute Sitz bedeutender fleischverarbeitender Unternehmen, obwohl hier bereits 1991 wurde hier zum letzten Mal geschlachtet wurde. Allerdings fasste der Stadtrat von Kopenhagen 2005 den Beschluss, auch die "hvide Kødby" neben der Fleischproduktion zu einem Zentrum von Kunst, Design, Kultur und kreativer Freizeitgestaltung zu machen und damit stärker in das umliegende Viertel Vesterbro zu integrieren. 2007 legten die Stadtplaner von Mutopia einen Umgestaltungsplan vor, während gleichzeitig ansässige traditionelle Unternehmen, allesamt Mieter der Stadt Kopenhagen, über steigende Mieten klagten. Wie dieser urbane Entwicklungsprozess ausgeht, ist ungewiss, CPHX hat jedoch ein Auge drauf. Und ein Besuch lohnt sich immer.

Details:
Dänisch: Brune og hvide Kødby / Øksnehallen
Adresse: zwischen Halmtorvet, Skelbækgade, Ingerslevsgade und Kvægtorvsgade
Metro/S-tog: Hauptbahnhof
Öffnungszeiten: siehe Homepage (aber gucken kann man wohl immer)
Eintritt: frei (bzw. kostenpflichtig, je nachdem, was man machen will)
Homepage: http://www.oeksnehallen.dk (braun)/http://www.koedbynet.dk und http://www.koedbyen.kk.dk (weiss)

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